Perlenkette

Die kühlen, weißen Perlen legten sich baumelnd und beruhigend um meinen Hals. Eisern umschlungen, doch mit einer gleichgültigen Leichtigkeit rollten sie entlang meines Nackens und tippten zaghaft gegen meine Brust.

Verwundert ließ ich meine Fingerspitzen über die unterschiedlich geformten Perlen gleiten – keine war eben. Keine war rund. Eine jene wies Unebenheiten und runde Kanten auf. Doch betrachtet im Spiegel, ich konnte sie nur als Ganzes sehen, begreifen, als Kette, ich begriff ihre Verbundenheit, das was sie hielt, was sie alle durchstieß und verband. 

Nur echte Perlen wiesen diese Unebenheiten auf. Das machte sie jedoch nicht weniger schön, der Preis zahlte sich ja aus, waren sie doch verbunden fast makellos, uralt und von mystischer Weisheit getränkt.
Wenn ich so erzählte – 

Fragte ich mich schon des Öfteren, woher diese Worte eigentlich kamen. Woher sie stammen. Wo sie sich formten. Im Kopf? Auf der Zunge? Auf den Stimmbändern? Es waren diese Momente, in denen sie mich durchströmten wie ein Fluss, unaufhaltsam, leicht, weil sie beflügelten, aber hart und unbändig, weil sie mich kontrollierten und mich nicht losließen, und ich dachte nicht mehr was und warum, sondern fragte mich nur: woher? Wohin? 

Es befiel mich dieser Drang, die Worte festhalten zu müssen, nicht zu verlieren, was urplötzlich da war, wie Blätter im Wind, die er wieder forttrug, unaufhaltsam, die Angst vor dem Vergessen.

Fixieren. Ich musste sie fixieren, bevor sie mir durchgingen, bevor sie durch meine Finger glitten, von den Lippen perlten, wie Atem ausstießen, auf ewig verloren.

Vielleicht durchströmten sie mich aber nur, weil sie zuvor schon jemand anderem durchgegangen sind, oder er trug sie flüsternd und murmelnd zu mir weiter – vielleicht durchdrang sie schon eine Kette von Mündern, Lippen und Händen, um sie zusammen auf sich aufzuspießen und zu binden, eine durchsichtige Kette, dem Herzen längst bewusst, dem Kopf erst erkenntlich, wenn sie schon den Nächsten durchdrang, den Nächsten und darauf den Nächsten, all das nur, um bald darauf zu mir zurückzukehren, mich erneut zu durchfließen, damit ich mich leicht fühlte, schwebend, um desto tiefer zu fallen, im Bewusstsein der Unendlichkeit.

Ich legte die Perlenkette ab. Ich ließ sie durch meine Finger gleiten, Perle um Perle. Ich spürte jede einzelne Unebenheit, jeden Unterschied, jede Differenz. Was spielte es für eine Rolle, bildeten sie doch eine Einheit, durch das Band, das sie trug.

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